(September 2015) Die NASA arbeitet seit längerem mit Firmen in der nicht-bemannten Raumfahrt zusammen. Space X, das Unternehmen von Pay Pal-Gründer und Tesla-Innovator Elon Musk, gehört dazu.
Die Argumente der Privaten: Wir können es qualitativ ebenso gut aber zu günstigeren Konditionen. Das Argument der öffentlichen Hand: Bei ausgereiften Technologien kann den Privatanbietern vertraut werden. Sie sollen die Basisleistungen erbringen. Die staatlichen Budgets werden dadruch auch entlastet. Amerika geht hier neue Wege und behält die Nerven. Denn die ersten Flüge der privaten Trägersysteme haben nicht funktioniert.
Öffentlich-private Zusammenarbeit nicht neu
Aus Sicht Deutschlands liegt das Spannende darin, dass in den USA etablierte Sektoren wie Verteidigung und Raumfahrt mit den kreativen Köpfen des Silicon Valleys zusammenwirken. Das hat aus Berliner Sicht seinen Reiz.
Experten in Politik, Wissenschaft und der deutschen Diplomatie fragen nun: Ist das unter Umständen auch ein Weg für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Oder das Bundesforschungsministerium. Oder gar die Verteidigungsministerin, die damit zu einem guten Gewehr für ihre Truppe käme? Jedenfalls sollte, so die Meinung der Technologiepolitiker und -unternehmer in San Francisco, die neue Kooperationsform nicht sofort kleingeredet werden.
Neue Elektronikgeneration benötigt
US-Verteidigungsminister Ashton Carter benötigt eine neue Elektronik-Generation für seine Frauen und Männer im Feld. Es werden flexible elektronische Träger gebraucht. Sie ähneln den im Konsumermarkt bekannten trabgaren intelligenten Sensoren und haben hybride Fähigkeiten. Sie können mit biologischem wie mit technischem Material Verbindungen eingehen. So könnten sie sogar Aufgaben am Körper verwundeter Soldaten übernehmen. Das ist die Vision, die Tech Firmen mit Valley-Kultur nun in die Praxis bringen sollen.
Am letzten Freitag im August startete offiziell die Kooperation zwischen dem Pentagon und einem Firmenkonsortium im Silicon Valley. Apple, Hewlett-Packard, United Technologies aber auch weitere Technologen und Inventoren gehören dazu. Dem Wall Street Journal (31. August) ist es ein längerer Beitrag wert.
Wechsel zur Raumfahrt: Im Verbund mit den Firmen Space X und weiteren Anbietern sucht die NASA nach einer Lastenverteilung. Die grundlegenden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten werden von der öffentlich finanzierten Wissenschaft entwickelt. Ausgereifte Technologien, die als robust gelten, werden von Privaten eingesetzt – so würden die Trägersysteme beispielsweise Versorgungsflüge zur bemannten Raumstation ISS übernehmen.
Aus dem Bundesministerium für Wirtschafts- und Technologie wird gegen Ende des Jahres eine Studie zur Privatisierung der Raumfahrt vorgelegt. Darin werden auch die US-Trends reflektiert und eingeordnet.
Zukunftsfähiges Modell?
Ist das US-Modell zukunftsfähig? Mit der im vergangenen Jahr gefällten EU-Entscheidung, acht Milliarden Euro für die Ariane 6 auszugeben, um 2020 Lasten ins All befördern zu können, ist ein anderer Weg eingeschlagen. Der Wettbewerb – aus dem Silicon Valley entfacht – drückt aber auch in dieses Forschungs- und Technologiegebiet hinein und stellt Fragen nach neuen Kooperationsformen.
Auf den ersten Blick erinnert alles an die PPPs der 2000er Jahre in Deutschnland - den Public Private Partnerships. Auch für Forschung und Wissenschaft wurden sie diskutiert. Letztlich sind die - stets aus dem Vereinigten Königreich - in Aussicht gestellten Einsparpotenziale von 20 Prozent nie wirklich erreicht worden. Das ist das Spannende am US-Weg: Es scheint einfach daran gearbeitet zu werden, Privaten die Erfüllung von Aufgaben zu überlassen. Auch in gesellschaftlich sensiblen Bereichen. Und alles geht ohne das komplexe PPP-Vertragskonstrukt.